Gemeinde Hemmingen

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Zeitreise

Eine Reise durch die Zeit

Die Texte stammen vom Hemminger Ortshistoriker Walter Treiber und wurden den Büchern "Hemmingen Band 1, Das Dorf und seine Menschen in alten Aufnahmen" und "Hemmingen Band 2, Hemmingen in Bildern und Berichten", beide Bücher aus dem Geiger-Verlag, Horb am Neckar, entnommen.

Heuernte am Eulenberg 1936
Heuernte am Eulenberg 1936
Rübenhacken 1960, im Hintergrund Bahnlinie und Wengert
Rübenhacken 1960, im Hintergrund Bahnlinie und Wengert
Rüben hacken 1919
Rüben hacken 1919

Zeittafel

Frühzeit
Bodenfunde zeugen von der Besiedlung der Gemarkung (jungsteinzeitliche Siedlungsreste, Grabhügel der Hallstattzeit, römischer Gutshof, alamannische Gräberfelder)

um 991 n. Chr.
Erste urkundliche Nennungen nach den Quellen des Klosters Weißenburg im Elsaß. Das Kloster verliert seinen Besitz in Hemmingen (Herrenhof, Kirche, Mühle, und 31 abhängige Höfe).

1279
Herrenhof als Lehen des Klosters Bebenhausen genannt.

ab 14. Jhdt
Das Dorf ist in zwei Hälften geteilt. Der eine gehört unmittelbar zu Württemberg, der andere dem Ortsadel als württ. Lehen.

um 1330
Chor der Laurentiuskirche erstellt. Einzelne Teile der Kirche sind älter, später mehrfach Erweiterungen und Umbauten

1350
Hemmingen gehört zur Vogtei (später Oberamt bzw. Kreis) Leonberg.

1451
Der ortsadelige Teil geht von dem Geschlecht derer von Hemmingen an die Nippenburger über.

1492
Das "Alte Schloß", ursprünglich ein Steinhaus und zusammen mit der Kirche von einem Wassergraben umgeben, wird renoviert.

1535
Weinertrag von 150 Eimern (ca. 45 000 ltr.) verzeichnet.

1542
Der "Neue Bau" wird erstellt (südwestlich des Schlosses mit Fachwerkgiebel).

1559
Einführung der Reformation.

1634
Im 30jährigen Krieg folgen nach der Nördlinger Schlacht Junger, Pest und Zerstörung durch die Soldateska.

1646
Nach dem Aussterben der Nippenburger fällt das Lehen an Württemberg zurück.

1649
Johann Konrad Varnbüler erhält für seine Verdienste als württembergischer Vertreter bei den Friedenverhandlungen in Münster und Osnabrück von Herzog Eberhard III. das an Württemberg zurückgegangene Lehen: das Schloß und das halbe Dorf mit dazugehörigen Gütern und Nutzungen.

1676
Hemmingen hat 363 Einwohner

1693
Im Pfälzer Erbfolgekrieg erleidet der Ort Schäden in Höhe von 39.766 Gulden.

1818
865 Einwohner bewirtschaften 2.826 Morgen Land

1842
Errichtung des Rathaus

1852 - 1854
Umbau und Erweiterung des Schlosses durch den Stuttgarter Baumeister Christian Friedrich Leins

1906
Eröffnung der Strohgäubahn Korntal – Weissach

1930
Das Dorf hat 1.008 Einwohner und 228 Bauernhöfe

1944
11 Todesopfer und Gebäudeschäden durch Luftmine

1949
Ansieldung von über 400 Heimatvertriebenen; in den folgenden Jahren werden neue Baugebiete erschlossen

1958 - 1978
Aussiedlung von 26 Bauernhöfen

1970 - 1980
Erschließung neuer Baugebiete: Die Zahl der Bevölkerung wächst von 3.025 auf 7.191, der Wohngebäude von 494 auf 920

1973
Bei der Kreisreform wird der Kreis Leonberg aufgelöst und Hemmingen in den Landkreis Ludwigsburg eingegliedert

1984
Beginn der Ortskernsanierung

1985
Die Gemeindeverwaltung bezieht das renovierte Varnbüler’sche Schloss

1987
Der Schlosspark steht der Öffentlichkeit nun zur Verfügung

Hauptstraße Hirschstraße 1925
Hauptstraße Hirschstraße 1925
Beschädigung Hauptstraße 52-60 1944
Beschädigung Hauptstraße 52-60 1944
Bücherei historisch
Bücherei historisch
Holzeinschlag Gemeindewald Waldmeister Schäuffelin 1950
Holzeinschlag Gemeindewald Waldmeister Schäuffelin 1950

Ein geschichtlicher Rundgang durch unsere Gemeinde

Die beiden frühalamannischen Gräberfelder "Ob dem Kirchhof" und "Gäßlesgraben" sind als Bestattungsplätze hier seßhaft gewordener Alamannen nachgewiesen. Eine in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts angelegte zugehörige Siedlung einer bäuerlichen Bevölkerung ist im Bereich des alten Ortskerns und des Gutsbezirks zu suchen, archäologische Zeugnisse liegen bislang nicht vor. Das Gräberfeld "Unter der Schauchert" barg Skelette und Grabbeigaben der in der gleichen Zeit entstandenen Siedlung einer gesellschaftlichen Oberschicht.

Diese vermögenden alamannischen Krieger hatten Fernbeziehungen zum Mittel- und Niederrhein, zum Donauraum bis Ungarn und Böhmen bzw. Mitteldeutschland. Schon die limeszeitliche Villa rustica, durch Funde von Mauerresten und Scherben ebenfalls in der Flur "Unter der Schauchert" belegt, verdankt ihre Entstehung der römischen Rhein-Donau-Straße, die 2,5 Kilometer nordöstlich vom Fundort vorbeiführt. Alle Ausgrabungsstücke sind im Württembergischen Landesmuseum, Stuttgart verwahrt.

In der Karolingerzeit ist der gesamte Ort mit Herrenhof, Kirche und den 31 dienenden Höfen im Besitz des Benediktinerklosters Weißenburg im Elsaß. Die Überlieferung über die sogenannte Beraubung des Klosters durch Herzog Otto I. von Schwaben in dessen Regierungszeit 973-982 als eine Art Reichsexekution durchgeführt, gilt als Zeitraum der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes Hemmingen. Otto war der Sohn von Luitpold von Schwaben, der wieder ältester Sohn von Kaiser Otto I. Der Unterteil des Turmes der hiesigen Laurentiuskirche als ältester Teil des jetzigen Baus stammt aus der Zeit um 1200 und bildete zusammen mit dem alten Schloß (Steinhaus) eine gemeinsame Befestigungsanlage als Wasserburg. Urkundlich erwähnt ist dann 1279 der Herrenhof als Fronhof, wo der Zehnte in einer Reihe von Rechtsgeschäften dem Kloster Bebenhausen zufällt. Um 1360 besaß Heinrich der Sölr von Ehningen als württembergisches Lehen einen Hof in Hemmingen. Etwa seit Ende des 14. Jahrhunderts (1381) finden wir Besitz derer von Massenbach im Ort, ebenfalls als Lehen Württembergs. Vom 14. Jahrhundert an ist das Dort in zwei Hälften zerlegt, von denen eine dem Haus Württemberg, die andere dem hier ansässigen Ortsadel gehörte. Der württembergische Anteil war im 14. Jahrhundert zeitweise an Johann von Urbach verpfändet. Die Hälfte, die um 1350 noch dem Ortsadel gehörte, war um 1430 zwischen den Brüdern Hans und Undolf von Hemmingen geteilt. Hans verkaufte seinen Anteil 1438 endgültig an Hans von Nippenburg. Mit Undolf endet 1444 die Linie derer von Hemmingen. Das Lehen blieb dann bis zu deren Aussterben im Jahr 1646 im Besitz der Nippenburger und fiel damit an Württemberg. Die Kirche kommt um 1350 an die Ortsherrschaft; das Patronat wechselte seit dieser Zeit zwischen Württemberg und dem jeweiligen Adelsgeschlecht. Im Jahr 1550 wurde der Ort durch den Münchinger Pfarrer Wild reformiert; jedoch behielten die Nippenburger bis 1608 das Recht, ihre Kinder in der Kirche katholisch Taufen und Messen lesen zu lassen.

Für Besucher lohnt es sich, die Portalvorhalle der Kirche zu betrachten, deren Reiz darauf beruht, daß sie asymmetrisch ist. Die beiden Plastiken vor den Säulen stellen Petrus und Paulus dar; auf dem Gesims sind die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dargestellt, auf der Kuppel dann der erhöhte Christus. Im Innern fällt der Chor durch die Bemalung des gotischen Gewölbes auf; die Ranken mit Blüten und paradiesischen Früchten stammen aus der Renaissance. Die Epitaphe betreffen die Geschlechter von Nippenburg und von Varnbüler. Das Kruzifix links vom Triumphbogen ist aus Stein gearbeitet.

Nach dem Aussterben des Hauses Nippenburg wiesen die 18 bisher nippenburgischen Untertanen in einer Eingabe an Herzog Eberhard III. auf die Nachteile der seitherigen Teilung hin. Durch einen Mannlehenbrief erhielt am 19. Mai 1649 der Geheime Regimentsrat Johann Konrad von Varnbüler das heimgefallene Lehen. Im Westfälischen Friedensgeschäft hatte er die vollkommene Wiederherstellung des Herzogtums Württemberg durchgesetzt.

Das Steinhaus, der älteste Teil des Schlosses, wurde nach der Inschrift 1492 restauriert. Der neue Bau (Kasten mit Fachwerkgiebel) entstand 1542 unter Ludwig von Nippenburg. Diese beiden Baukörper erhielten 1723 einen Verbindungsbau, dem 1738 eine Brücke zur Herrschaftsempore im Chor der Kirche beigefügt wurde. Das untere Schlößchen (Gartenschlößchen, Ostteil der heutigen Anlage) wurde 1709 errichtet, dessen nördlicher Seitenflügel 1817 angefügt.

Der Stuttgarter Baumeister Leins hat im Auftrag des späteren Leitenden Ministers Württembergs, Karl von Varnbüler, in den Jahren 1852-1856 das Schloß umgebaut und seine heutige Gestalt bewirkt, indem er das Gartenschlößchen und den Steinbau verband, Portal und Treppenaufgang anlegte. Dem Steinbau wurden im Norden zwei Türme und eine Loggia angefügt. Als Zeichen der Familie zieren den einen Helm und Streitkolben, den anderen ein Greif. Durch Angleichung bekam der Kirchturm seine Laterne und erhielt seine achteckige Form.

Südlich vom Ort finden wir einen Kaiserstein, der an eine Heerschau und den Besuch Kaiser Wilhelms I. 1885 im Schloß erinnert; in seinem Gefolge befanden sich der Kronprinz, Prinz Wilhelm (ab 1888 Kaiser Wilhelm II.) sowie die Grafen Moltke und Roon. Das heutige Wappen der Gemeinde leitet sich aus dem 1717 erwähnten Fleckenzeichen her, ursprünglich ein X, dann ein Rost als Sinnbild des Martyriums des heiligen Laurentius. Es wurde der Gemeinde 1935 amtlich zugeteilt, ausgeführt in blau-gold, den Farben des Hauses Varnbüler.

Durch die Jahrhunderte war Hemmingen landwirtschaftlich geprägt. Neben Weizen, Zuckerrüben und Kartoffeln wurden Roggen, Dinkel und Hülsenfrüchte angebaut. Der Weinbau war früher bedeutend, ging aber vor mehr als einem Jahrhundert ganz ab. Tafel- und Mostobst gab es genug und Kirschen im Rohrsperg. Vieh- und Pferdezucht blühte. Heute sind nahezu alle landwirtschaftlichen Betriebe an den Ortsrand und in die freie Feldmark ausgesiedelt. Auf dem Hofgut wird Saatgut für Getreide vermehrt. Seit 1905 besteht eine Station der Strohgäubahn, und im Jahr 1907 hat sich die Gemeinde der Strohgäu-Wasserversorgung angeschlossen.

Im Zuge der Kreisreform wurde der Kreis Leonberg zum 1.1.1973 aufgelöst und Hemmingen dem Landkreis Ludwigsburg zugeschlagen. Seit 1.1.1975 besteht als Ergebnis der Verwaltungsreform mit der Nachbargemeinde Schwieberdingen ein freiwilliger Gemeindeverwaltungsverband, der eine ganze Reihe wichtiger gemeinsamer Aufgaben erfüllt. Durch die sprunghafte Entwicklung in den zurückliegenden sechziger und siebziger Jahren erhielt der Ort seine unverwechselbare Skyline. Die Gewerbegebiete an der Schloßhaldenstraße sowie nördlich und südlich der Münchinger Straße haben bedeutende auswärtige Betriebe aufgenommen und einheimischen Entwicklungsmöglichkeiten gebracht.

Die große Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule, die 1981 renovierte und erweiterte Gemeinschaftshalle, die 1983 eingerichtete öffentliche Bücherei, der 1985 neu erstellte Jugendtreff und die großzügigen Sportanlagen mit Sporthalle am Westrand der Gemeinde decken den diesbezüglichen Bedarf der über 7.560 Einwohner der Gemeinde.

Die Glemsaue in Schwieberdingen ist seit 1978 Standort der Realschule des Gemeindeverwaltungsverbandes der beiden Nachbarorte. Auf dem Friedhof erinnert das Gefallenen-Mahnmal an die Jahre der Bedrückung und die Fassade der Aussegnungshalle schwingt, einem Flügelschlag gleich, in den Horizont. Im Jahre 1985 starb mit Altbürgermeister Heinrich Rathfelder, nach 30jähriger Amtszeit im Jahre 1978 verabschiedet, der einzige Ehrenbürger der Gemeinde. Die Gemeinde ist im Oktober 1985 in die renovierten und restaurierten Räume des angemieteten Varnbülerschen Schlosses eingezogen und hat im Sommer 1986 auch große Teile des herrlichen spätenglischen Schloßparks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Erneuerung des alten und historischen Ortskerns hat mit der Eröffnung des neuen Gebäudes der Volksbank, den nördlich davon erstellten Wohn- und Geschäftsgebäuden, der liebevollen Renovierung verschiedener Fachwerkhäuser im Ortskern und nicht zuletzt mit der Renovierung des jetzt als Rathaus genutzten Schlosses einen sichtbaren und guten Anfang genommen. Zwischenzeitlich ist die Ortskernsanierung mit der Erschließung neuer Wohngebiete und der Verlegung eines Teilstückes der Ortsdurchfahrt ihrem Abschluß näher gekommen. Die Neugestaltung des innerörtlichen Bereiches durch neue Gehwege, Straßen, großzügige Platz- und Grünflächen haben dem Ort ein neues und ansprechendes Aussehen gegeben.

Die sogenannte historische Stube mit Schloßgebäuden, Schloßpark, Laurentiuskirche mit evangelischem Gemeindezentrum, Altem Rathaus, dem künftig als Ortsbücherei dienenden stattlichen Fachwerkhaus an der Hauptstraße und dem gegenüberliegenden renovierten ehemaligen landwirtschaftlichen Wohnhaus mit denkmalgeschütztem wertvollen Ostgiebel und der vergrößerte Platz vor dem ehemaligen Schulhaus ist ein wohltuender Ausgleich zu der ebenso modernen wie markanten Wohnanlage des Wohnparkes Schloßgut geworden.

m Zuge dieser Ortserneuerung siedelten und siedeln sich noch weitere Dienstleistungsbetriebe im Ortskern an. Die bauliche Entwicklung mit dem Gewerbegebiet nördlich der Münchinger Straße und den Wohngebieten im Schöckinger Pfädle ist sichtbar, während beim geplanten Wohnbaugebiet südlich der Falkenstraße die Erschließungsphase bevorsteht. 1991 feierte die Gemeinde mit zahlreichen Veranstaltungen und einem großen historischen Festumzug ihre erste urkundliche Erwähnung vor 1000 Jahren. Ein Jahr später wurde das Kleeblatthaus in Hemmingen mit 24 Pflegeplätzen und 22 betreuten Altenwohnungen einschließlich einer Tiefgarage eingeweiht und zum selben Zeitpunkt ein ständiger Wochenmarkt eröffnet.

1994 wurde in der ehemaligen und nun umgebauten neuapostolischen Kirche ein neuer zweiklassiger Gemeindekindergarten eröffnet. Zahlreiche Schloß- und Kirchenkonzerte sowie Kunstausstellungen haben in den letzten Jahren das vorhandene kulturelle Angebot ergänzen können. Die Verkehrsanbindungen der Gemeinde mit Bahn und Bus haben sich im Zuge der Einbeziehung der Region in den Gemeinschaftstarif des Verkehrsverbundes und durch Gemeindemittel mitfinanzierte neue Bus- und Bahnkonzeptionen wesentlich verbessert. Mit der WEG können Sie nun mit der Bahn bis Stuttgart-Feuerbach fahren.

Die Entwicklung der Gemeinde sieht neben der weiteren Verbesserung der örtlichen Infrastruktur die Ausweisung von weiteren Gewerbe- und Wohnbauflächen vor. Im Jahr 2001 wurde die Gemeindebibliothek in der Hauptstraße 2 eingeweiht. Der Umbau der Gemeindehalle wird im Jahr 2002 fertiggestellt. Zudem wird die bisherige Bücherei umgebaut und künftig für Betreuungsangebote im Rahmen der Verlässlichen Grundschule und dem Hort an der Schule genutzt. An der Grund- und Hauptschule wird im Jahr 2004 das Grundschulgebäude Ost und im Jahr 2006 das Musiksaalgebäude umgebaut und erweitert.