Gemeinde Hemmingen

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denkmal – erzählmal

Ein Projekt der Bibliothek Hemmingen zum "Tag des offenen Denkmals" am 8.9.2002

Wir haben uns auf Spurensuche und Spurensicherung begeben, um festzuhalten, was Zeitzeugen uns über „unser" Haus noch berichten können. In den Gesprächen mit Menschen, die gegen Ende des zweiten Weltkriegs, in der Nachkriegszeit und in den 50er Jahren – als das Land Baden-Württemberg noch in den Kinderschuhen steckte – hier wohnten, bestätigte sich unser Bild von dem Haus:

  • Alt ist es
  • Viel erlebt hat es
  • Ehrwürdig war es
  • Im Mittelpunkt stand es
  • Ortsbild prägend war es
  • Mit der Zeit gehend
  • Offen...

Alles Merkmale, die das Haus auch seit dem Umbau zur GemeindeBibliothek weiterhin aufweist - und die wir erhalten wollen.

Da das Haus selber leider nicht berichten kann, haben wir Menschen gesucht, die bereit waren uns ihre Erinnerungen zu erzählen – und wir haben einige gefunden:

Frieder Schmid - der Neffe der letzten Besitzerinnen des Anwesens, bevor die Gemeinde Hemmingen im Jahr 1987 das Haus erworben hat - kam 1948 mit 14 Jahren nach Hemmingen. Er hat zeitweise auch in diesem Haus gewohnt und erlebt, wie seine Tanten das Haus geführt und das Grundstück bewirtschaftet haben, bevor er im Jahr 1961 die Geflügelfarm übernommen hat. In seinen Erzählungen wird deutlich, welche Leistung es in der damaligen Zeit war, dass Frauen dieses Anwesen bewirtschafteten und wie fortschrittlich auch die Umwandlung des alten Bauernhauses in Wohnungen war: „...das war wohl eigentlich das erste Haus mit mehreren Mietwohnungen in Hemmingen..." Die Einnahmen der Besitzerinnen Agnes und Elisabeth Schmid und ihrer Schwester Mathilde, die für die Hauswirtschaft zuständig war, flossen immer wieder ins Haus „...und einen guten Geschmack hatten die Tanten schon immer..."

Lotte Schrank gehörte zur ersten Generation von Mietern im Haus „Schulplatz 2". In einer Zeit, als man eng zusammenrücken musste, erlebte sie hier mit ihren Eltern, ihrer Schwester und den Kindern ein reges Kommen und Gehen und – wie sie sagte – „ein rechtes Wohnen" von 1945 bis 1951.

Gerhard Bulla zog mit seinen Eltern und Geschwistern kurz nach dem Krieg als 5jähriger ins Haus ein und wurde langsam zum „Hemminger" bis seine Eltern dann 1950 in der Friedenstraße bauten. Seine prägenden Erinnerungen an die Zeit hier richten sich in erster Linie auf gemeinsame Mahlzeiten mit den „Damen", das Leben und Spielen im Haus und die Erlebnisse im Garten und im Hühnerhof.

Ein Denkmal erzählt

Nachdem wir nun erfahren haben, an was sich die damaligen Bewohner erinnern, ist das Haus für uns viel lebendiger geworden. Und manchmal haben wir jetzt das Gefühl, im Wohnzimmer von Agnes, Elisabeth und Mathilde Schmid zu Gast zu sein – obwohl wir ganz genau wissen, dass eigentlich nur die Fassade (teilweise), einige Mauern im Innern, die alte Haustür und der Blick aus dem Fenster zum Platz noch so sind wie damals...

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