Der Maibaum in Hemmingen - Historische Entwicklung
icon.crdate29.04.2026
Der Maibaum hat seine Wurzeln in uralten heidnischen Ritualen und symbolisierte ursprünglich Fruchtbarkeit, Wachstum, Schutz und die Lebenskraft der Dorfgemeinschaft. Die Tradition des Maibaums lässt sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen, wobei mögliche heidnische Wurzeln in der germanischen und keltischen Kultur liegen. Hemmingen wurde von den Alamannen gegründet, keltische Siedlungsstrukturen sind ebenfalls vorhanden. Bereits die Wikinger stellten zum Ersten Mai sogenannte „Thorsbäume“ auf, geschmückte Pfähle, die Stärke und Wachstum symbolisierten. Auch die Kelten feierten am 1. Mai (Beltane) den Beginn der Sommersaison mit Baumritualen zur Förderung der Fruchtbarkeit von Feldern und Menschengemeinschaft.
Mit der Christianisierung wurden heidnische Rituale wie das Maibaumaufstellen verboten oder umgedeutet. Berichte aus dem 13. Jahrhundert zeigen Konflikte zwischen der Kirche und dem Volk, wobei Maibäume trotz Verbote weiterhin aufgestellt wurden. Später wurde der Brauch politisch und sozial genutzt, etwa als Freiheitsbaum oder Ort für Dorffeste, behielt aber stets eine symbolische Verbindung zu Wachstum, Naturkreisläufen und Gemeinschaft.
Maibäume tragen Zunftzeichen, weil sie seit dem Spätmittelalter nicht nur Frühlingssymbole, sondern auch Repräsentationsbäume der örtlichen Handwerke waren. Die Zünfte schmückten den Maibaum mit ihren Zeichen, um ihre Bedeutung für die Gemeinschaft zu zeigen. So wurde der Maibaum zum sichtbaren Symbol für wirtschaftliche Stärke, Zusammenhalt und handwerkliche Tradition. In Hemmingen war ursprünglich der Hindenburgplatz der zentrale Platz im Ort, wo Platzkonzerte gegeben und Märkte abgehalten wurden. Dieser Platz war auch der ursprüngliche Standort des Maibaumes in den 1930er Jahren.
Im Sommer 1930 beschloss der Hemminger Gemeinderat, das nicht mehr bewohnte Haus der Witwe des Jakob Huber, Hauptstraße 26, der früher im Erdgeschoss eine Schreinerei betrieben hatte, aufzukaufen und abreißen zu lassen, um dadurch die Verkehrssituation bei der Einmündung der Eisgasse in die Hauptstraße zu verbessern. An dieser Stelle war bis dahin die Eisgasse in zwei schmalen Zweigen links und rechts des Hauses Hauptstraße 26 vorbeigeführt worden. Noch in demselben Jahr wurde festgelegt, in der Mitte des entstandenen Platzes eine Linde zu pflanzen und diese mit einem niedrigen Steinsockel zu umfassen. Es wurde darauf verwiesen, dass nach der Überlieferung an dieser Stelle die Dorflinde gestanden habe. Die „Schönfelder Karte“ von 1779 weist hier den Standort der oberen Dorflinde aus. Mit Bedauern hatte man wegen der fehlenden Mittel auf die Anlegung eines Brunnens verzichten müssen.
Im März 1933, zwei Monate nach der nationalsozialistischen Machtübernahme, fasste die Gemeinde den Beschluss, den Platz als Hindenburgplatz und die Linde als Adolf-Hitler-Linde zu benennen. Die Namensgebung wurde in einer Feierstunde mit Fackelzug vollzogen.
Die Linde wurde 1975 im Zuge der Verbesserung der Ortsdurchfahrt im Einmündungsbereich der Eisgasse gefällt.
Das Dorfleben auf dem Hindenburgplatz direkt vor dem Gasthaus Krone fand also 1975 mit dem Fällen der Linde und nach dem Abriss der Krone ein jähes Ende. Der Dorfplatz wurde aufgelöst und dem Verkehr in Form eines großzügigen Kreuzungsbauwerkes gewidmet. Hier war jetzt kein Platz mehr für einen Maibaum.
1986 hat Manfred Gutbrod die Idee des Maibaums in Hemmingen wieder aufgegriffen und mit seinen Schülern den heutigen Maibaum mit den hier ersichtlichen Zunftzeichen geschaffen. Mit dem traditionellen Maitanz wurde dieser dann am 1. Mai eingeweiht. Beteiligt waren der Spielmanns- und Fanfarenzug, die Singgemeinschaft sowie die Schule und der örtliche Sportverein für die Tanzeinlagen. Nach einem Tanz der älteren Kinder mit Bögen aus Maigrün ging es zum Höhepunkt und Abschluss, dem sogenannten Bändertanz in den ortstypischen Farben Blau und Gelb. Zum Schluss wurden die bei den Tanzspielen mitgeführten Luftballons fliegen gelassen.
Während der Veranstaltung wurden selbstgebackene, in Cellophanpapier eingewickelte Maitaler verkauft.
Zum damaligen Zeitpunkt war es noch üblich, dass der Maibaum von anderen Orten „gestohlen“ wird, so dass Manfred Gutbrod diesen anfänglich die ganze Nacht bewacht hat.
Nach dem Ausscheiden von Manfred Gutbrod aus dem Schuldienst hat er die Organisation des Maitanzes in die Hände des Fördervereins der Schule gelegt. Tanja Winter führt mit ihrem Team diese Tradition dankenswerterweise erfolgreich weiter.
Verfasser: Reinhard Kubens



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