Deutliche Eintrübung der Gemeindefinanzen – Haushaltssperre weiterhin notwendig
icon.crdate29.04.2026
Die finanzielle Situation der Gemeinde Hemmingen hat sich innerhalb kurzer Zeit erheblich verändert. Während die vergangenen Jahre noch von stabilen und teils sehr hohen Gewerbesteuereinnahmen geprägt waren, zeigt sich nun eine deutliche Trendwende, die eine verantwortungsvolle und konsequente Haushaltssteuerung erforderlich macht.
Rückblick: Sehr gute Jahre bis 2024
Noch im Jahr 2023 konnte die Gemeinde ein ausgesprochen positives Ergebnis erzielen. Der Gemeinderat stellte in seiner Sitzung am 24.09.2024 die Jahresrechnung mit einem Gesamtergebnis von rund 9,2 Mio. Euro fest. Dieses lag deutlich über der Planung und war insbesondere auf sehr hohe Gewerbesteuereinnahmen von rund 13,7 Mio. Euro zurückzuführen.
Auch im Jahr 2024 setzte sich diese Entwicklung zunächst fort. Die Gewerbesteuerzahlungen bewegte sich mit rund 14,7 Mio. Euro weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Entsprechend verfügte die Gemeinde Ende 2024 noch über liquide Mittel in Höhe von 20 Mio. Euro sowie über eine solide Ergebnisrücklage.
Einbruch ab 2025
Bereits im Haushaltsjahr 2025 zeichnete sich jedoch eine deutliche Verschlechterung ab. Der Ergebnishaushalt wies einen geplanten Fehlbetrag von rund -6,75 Mio. Euro aus. Gleichzeitig entwickelten sich die Gewerbesteuereinnahmen deutlich schwächer als in den Vorjahren. Mindereinnahmen von rund 2,6 Mio. Euro verschärften die Situation zusätzlich. Zum Ende des Jahres 2025 bestanden nur noch liquide Mittel i.H.v. 9,3 Mio. Euro.
Eine unerwartete Gewerbesteuerrückzahlung im Dezember 2025 führte schließlich dazu, dass zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit bereits am 17.11.2025 eine Haushaltssperre verhängt werden musste. Diese gilt weiterhin.
Dramatische Entwicklung im Jahr 2026
Im laufenden Jahr 2026 hat sich die Situation nochmals deutlich verschärft. Mit dem Nachtragshaushalt musste der Ansatz für die Gewerbesteuer drastisch korrigiert werden – von ursprünglich 5,26 Mio. Euro auf lediglich rund 1,1 Mio. Euro.
Zum Vergleich:
Noch im Jahr 2024 lagen die Gewerbesteuereinnahmen bei rund 14,7 Mio. Euro.
Gleichzeitig wirken sich die hohen Einnahmen der Vorjahre zeitverzögert belastend aus. Aufgrund der Systematik des kommunalen Finanzausgleichs muss die Gemeinde im Jahr 2026 hohe Umlagen zahlen:
- Kreisumlage: rund 6,62 Mio. Euro
- Finanzausgleichsumlage: rund 5,07 Mio. Euro
Damit stehen deutlich geringeren Einnahmen weiterhin hohe verpflichtende Ausgaben gegenüber.
Für das Jahr 2026 wird aktuell ein Fehlbetrag von rund -12,9 Mio. Euro im Gesamtergebnis erwartet.
Rücklagen schmelzen rapide ab
Die vorhandenen Rücklagen helfen derzeit noch, die Defizite abzufedern. Allerdings zeigt die Finanzplanung deutlich, dass diese Mittel in kurzer Zeit stark abschmelzen werden:
- Entnahme 2025: rund 7 Mio. Euro
- Weitere Entnahmen in den Folgejahren: rund 15 Mio. Euro
Zum Ende des Finanzplanungszeitraums wird die Rücklage des ordentlichen Ergebnisses voraussichtlich nur noch bei etwa 0,5 Mio. Euro liegen.
Klare Botschaft: Handlungsbedarf ist gegeben
Die dargestellten Entwicklungen machen deutlich: Die Gemeinde Hemmingen befindet sich aktuell in einer finanziellen Schieflage. Die Kombination aus stark rückläufigen Gewerbesteuereinnahmen bei gleichzeitig hohen Umlagezahlungen stellt eine erhebliche Herausforderung dar.
Die bereits verhängte Haushaltssperre bleibt daher weiterhin notwendig, um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu sichern. Alle Ausgaben werden derzeit besonders kritisch geprüft, und es gilt, Prioritäten klar zu setzen.
Gemeinderat und Verwaltung werden sich in den kommenden Monaten intensiv mit der weiteren Haushaltskonsolidierung befassen müssen. Ziel ist es, die finanzielle Stabilität der Gemeinde langfristig wiederherzustellen und gleichzeitig die notwendigen Aufgaben weiterhin erfüllen zu können.
Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahmen und werden die Bürgerschaft über weitere Entwicklungen transparent informieren.


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