Alter Schulplatz 5: Gemeinde Hemmingen

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Alter Schulplatz 5

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Laurentiuskirche

Hemmingen ist seit 1308 im württembergischen Besitz. Das Kirchenpatronat üben Württemberg und der jeweilige Lehensinhaber einer Ortshälfte gemeinsam aus (Compatroni). Sie ernennen bis 1918/19 im Wechsel die Pfarrer der Laurentiuskirche, d.h. auf einen „württembergischen“ Pfarrer folgt ein Pfarrer der Lehensherrschaft

1358 Stiftung einer Frühmesse mit Einkommen (Pfründe) für einen Geistlichen durch Konrad von Schöckingen. Das Stellenbesetzungsrecht für diesen Frühmessaltar (im Chor?) besaßen die Nippenburger. 1574 wird dieses Recht noch erwähnt, doch sicherlich nicht im altkirchlichen Sinn ausgeübt.

1534, bei der allgemeinen Einführung der Reformation in Württemberg, blieben die Nippenburger und der von ihnen eingesetzte Pfarrer noch beim alten Glauben. Erst als 1559 der alte Pfarrer starb, stand Württemberg das Stellenbesetzungsrecht wieder zu und sie ernannten den evangelischen Pfarrer aus Münchingen, Johannes Wild, zum Ortsgeistlichen und setzten damit die Reformation durch.

Nach dessen Tod ernannten die Nippenburger 1584 dessen gleichnamigen Sohn zum ev. Pfarrer. Spätestens seit 1580/82 entschieden sich die Nippenburger in Hemmingen für den neuen Glauben, blieben aber religiös eigenständig.

Sowohl Friedrich (bis 1591, Bildepitaph neben der Orgel) als auch sein Sohn Wilhelm (bis 1609, Doppelgrabdenkmal an der Ostwand des Chores) nahmen Täufer auf und lehnten deren Ausweisung, die von den württembergischen Visitatoren gefordert wurde, ab.

Später wiesen die Nippenburger die Aufsichts-und Kontrollrechte der Visitatoren über „ihre“ Pfarrer zurück.

“Das Denkmal gehört zu den ausgesprochenen Prunk-Grabmälern im Spätwerk des Jeremias Schwarz (gest. 1621)“

Das Medaillon über dem Kranzgesims zeigt das Brandopfer des Elias, die Teilung des Jordans und die Himmelfahrt des Elias.

Die Darstellung des Propheten Elias und sein Kampf gegen die falschen Götter ist in der Reformationzeit ein häufiges Motiv, auch in Täuferkreisen.

Nach dem Tod von Wilhelm von  Nippenburg zu Hemmingen und Schwieberdingen 1609 fielen    das Lehen und die Erbschenkenwürde an die Grundsheimer Linie der Nippenburger.

Als 1609 der katholischen Linie der Nippenburger (aus Grundsheim südlich Ehingen/Donau) auch Hemmingen als Erbe zufiel, wurde 1623 vertraglich festgelegt, dass die (katholischen) Nippenburger, wenn sie das Stellenbesetzungsrecht ausüben, nur einen Pfarrer der Augsburger Konfession nach der Konkordienformel ernennen können und Württemberg das Visitationsrecht besaß.

Bemerkenswert, dass diese katholischen Nippenburger 1633 ein Grabdenkmal für ihre Schwiegermutter, Catharina von Bubenhofen, im Chor an der Südwand aufstellen ließen. Sie lebte lange in Hemmingen und war eine bekennende und bekannte „Sakramentiererin“, eine Anhängerin Caspar von Schwenckfelds. Diese standen als „Sekte“ außerhalb des Augsburger Religionsfrieden von 1555 und wurden als “Sakramentsleugner” sowohl von Lutheranern als auch von Katholiken verfolgt.

1738 sind noch 5 liegende Grabdenkmäler in Altarnähe eingezeichnet (siehe Grundriss).

Diese wurden wohl 1785 im Chor aufgestellt.

Vier Grabplatten der Varnbüler wurden von der Familie 1903 aus der Stuttgarter Hospitalkirche nach  Hemmingen geholt und über den „Baronsstühlen“ im Chor angebracht.

Hier befindet sich auch das Grabdenkmal von Johann Conrad Varnbüler, der 1649 mit Hemmingen belehnt wurde.

Nach 1818, als die Varnbüler einen eigenen Friedhof auf der östlichen Markung anlegen ließen, wurden adlige Verstorbene nicht mehr im Chor bestattet.

Die Oberamtsbeschreibung von 1930 geht davon aus, dass sich unter der Sakristei von 1520 eine ehemalige gewölbte „Beingruft“ befand.

Einzelne Gebeine wurden auch außerhalb der Kirche bei Grabungsarbeiten gefunden, doch scheint der Friedhof stets außerhalb der Siedlung im Norden gelegen zu haben.

Ein Erkundungsblatt für den sichtbaren und unsichtbaren Reichtum der Laurentiuskirche liegt auf dem Büchertisch der Kirche aus.

Die Holzplastik des Heiligen Laurentius wurde wahrscheinlich nach der Reformation vom Hochaltar entfernt und zusammen mit der Plastik des Heiligen  Georg auf dem Dachboden der Kirche abgelegt.

1960/61 wurden die Plastiken bei der Kirchenrenovierung wieder aufgefunden und in einer Chornische aufgestellt (Hl. Laurentius in der Südwand, Hl. Georg gegenüber).

Das Ortswappen von Hemmingen zeigt in Blau auf goldenem Grund den Rost des Heiligen Laurentius, auf dem dieser 248 in Rom als christlicher  Märtyrer bei lebendigem Leib zu Tode geröstet wurde. Die Hemminger Kirche ist dem Hl. Laurentius geweiht.

Das Steinkruzifix aus der Zeit um 1600 wurde im Chor aufgestellt, in Übereinstimmung mit der Grundrissskizze von Pfarrer Schmoll 1738.

Es wurde 1856 an die Wand zwischen dem Chorbogen und Nordempore verlegt und bei der Renovierung 2004 wieder im Chor aufgestellt.

1738 wurde die Orgel auf eine Empore aan der südlichen Chorwand verlegt.

An diese Empore bauten die Varnbüler 1738 an der Nordwandseite des Chores eine Herrschaftsempore "ohne Vorwissen" des später protestierenden Württembergs.

Diese Herrschaftsempore hatte einen eigenen Zugang über eine Brücke von den Verbindungsgebäuden zwischen Altem Schloss und Neuem Bau (siehe Station 17).

In das dortige Chorfenster wurde eine Tür eingebaut. Der Zugang wurde 1852 entfernt, 1856 die Herrschaftsempore abgebrochen.

Nach Beseitigung des Turmgewölbes wurde die ORgel auf die Westempore verlegt.

Glocken der Laurentiuskirche

Im Französischen Krieg gegen die Pfalz haben franz. Truppen 1693 die 3 Glocken der Kirche zum Einschmelzen entfernen lassen (wie in anderen Orten).

1696 stifteten die Varnbüler die as-Glocke, welche heute noch vorhanden ist. Im Juni 1917 wurden die große Glocke von 1770 und die kleine Glocke von 1779 beschlagnahmt und für Kriegszwecke eingeschmolzen.

1921 wurden diese beiden Glocken durch Glocken mit den Tönen cis und fis ersetzt. Diese mussten jedoch im zweiten Weltkrieg wieder abgegeben werden. Im Mai 1950 konnte von der Gemeinde Bietigheim eine 1722 gegossene f-Glocke erworben werden, die auf dem „Glockenfriedhof“ in Hamburg den Krieg überlebt hatte. Anlässlich des Jubiläums der Belehnung vor 300 Jahren hatte das Haus Varnbüler im Juli 1950 der Gemeinde eine dritte Glocke gestiftet.

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